Galerie Crystal Ball

Marion Bösen & Susanne Katharina Willand

Store

bedecken und durchscheinen


Eröffnung am Freitag, 12.04.2024 um 19 Uhr

12.04.2024 – 10.05.2024

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Öffnungszeiten beim Sellerie Weekend: Fr., 26.4 & Sa., 27.4., 15 bis 19 Uhr

Die Crystal Ball Boutique hat während des Sellerie Weekend geöffnet

Store 

Worum geht es hier? Ist dies ein Geschäft, kann man hier etwas kaufen? Kriegt man hier Informationen? Was ist eigentlich mit dem Fenster los? Die Öffnungen in der Wand für Licht und frische Luft, verhängt mit Gardinen und Stores und Übergardinen und Vorhängen, damit keiner sehen kann, wie wir uns drinnen benehmen. Oder manchmal eben doch. Dann ist da ein Gestaltungswille oder ein ästhetischer Zweck oder die Außenwerbung. Oder ich stelle mich hinter die Gardine und beobachte, ohne gesehen zu werden. Die Gardine ist die Membran zwischen meiner Zelle und der Außenwelt, zwischen dem Privaten, Öffentlichen, dem Offensichtlichen und Verborgenen.  

Die Künstlerinnen Marion Bösen und Susanne Katharina Willand arbeiten mit
Fotografie und den Strategien ihrer Übersetzungen in andere Medien. Marion
Bösen widmet sich in ihrem umfangreichen druckgrafischen Werk häufig phänomenologischen
Untersuchungen, großen Sets und fotografischen Serien die sie in
Siebdruckreihen oder große Flächen umsetzt. Die Künstlerin sammelt Bilder von
Objekten in dysfunktionalen Kontexten, extraordinäre Situationen im urbanen
Alltag und Phänomene die erst einmal ungeklärt bleiben dürfen. Es entstehen
alle Arten von Sammlungen, ausgesetzte Fernsehgeräte, Matratzen, tote Vögel und
Hasen, Obst und Gemüse, verschmähte Butterstullen. Oder eben auch die wie auch
immer gescheiterte oder gut gemeinte Reparatur von Steinsetzarbeiten im
Straßenbelag eines Platzes in Sao Paulo. Die zu Mustern und Tapeten rhythmisch
verdichteten Lichtpausen von Gemüsekisten, Perücken, Brotscheiben oder
Hühnereiern – Unsere ganze vielteilige Welt zeigt sich in Marion Bösens
aufmerksamen Blick. Der isolierte, einfache Gegenstand, der leblose verlorene
Tierkörper, aber auch die großen Sets, die wie moderne Stillleben unseren
Alltag zeichnen, erscheinen aufgeladen mit einer fast lebendigen Präsenz.

Susanne Katharina Willand arbeitet in einem ähnlichen Feld, sie interessiert sich für Dinge, Tücher
Steine, Felder, Berge – Landschaft. In der aktuellen Arbeitsweise der
Künstlerin werden die Objekte und Szenen in Stickerei umgesetzt. Besonderes
Augenmerk liegt ihr dabei auf Muster, Struktur und Räumlichkeit der Gestalt. So
sind die Linien des Dessins eines handelsüblichen Trockentuches zum Beispiel in
seinem Zustand, wenn das Tuch zufällig geworfen in seinem Faltenwurf liegt bei
Willand Thema. In diesen Verwerfungen, des Musters evoziert die Künstlerin mit
der Sticknadel die eigentlich abwesende Dreidimensionalität. In einer anderen Arbeit faltet und arrangiert
sie ein Tischtuch in einer Weise das eine Berglandschaft erfahrbar wird oder stickt
feine Schatten in ein plan vor uns ausgebreitetes Tuch, dass es so aussieht, als
sei es gerade zuvor zerknüddelt worden und hinge ungebügelt da. Das Interesse
am Changieren der Differenz von Räumlichkeit und Fläche ist unübersehbar wie
auch das der phänomenologischen Sammlung, welches sie mit Marion Bösen
verbindet. In ihrer gemeinsamen Ausstellung in der Crystal Ball zeigen die
Künstlerinnen eine speziell für die Galerie entworfene Installation, in der sie zusammen
das Schaufenster des Raumes bearbeiten.

Christine Schulz – Gedankenturm III

Vernissage am Sa. 6. Januar 2024

bis 9. Februar, unregelmäßig & nach Vereinbarung geöffnet
täglich, 19- 22 Uhr von außen sichtbar

Christine Schulz – Gedankenturm III, Worpswede, 2022

Die Künstlerin Christine Schulz hat unter dem Titel „Gedankenturm“ bereits zwei Installationen kreiert, die sehr wirkungsvoll mit den Techniken der Collage; Bilder, Objekte und Projektionen zu einem Ganzen verbinden und bewusst Assoziationen evozieren. In Christine Schulz installativen Aufbauten nimmt der jeweilige Ort immer eine wichtige Position ein, die Architektur ist Teil der Arbeit und gibt den Bildern und vor allem den Lichtbildern Raum. Licht und Illumination, das beleuchtete und objekthafte Bild in Verbindung mit dessen Spiegelung, physisch oder auch inhaltlich, sind wichtige Gestaltungsmerkmale im Werk der Künstlerin.

Nun kommt in Gedankenturm II und III die Bewegung hinzu. Christine Schulz ist es trotz der eingesetzten, festen, profunden Materialien nicht daran gelegen, eine einzige festgelegte Botschaft zu transportieren. Sie hält im Gegenteil durch den flüchtigen und chronologisch variierenden Stil ihrer Bauten den Blick auf Verbindungen und Bedeutungszusammenhänge, die uns in einer offenen Form als Betrachter mitnehmen. Der poetische Titel: Gedankenturm gibt dabei schon einen Hinweis. Können wir Gedanken auftürmen? Vielleicht ist es so zu verstehen: Die Gedanken und Ideen, die wir aufeinander bauen, ergeben ein Konstrukt, von Argumentations- und Beweisketten, ein Weltbild. Eine Art ideelles Gebäude, welches aus unseren Wahrnehmungen resultiert. Liegt aber darin nicht die Gefahr des Scheiterns? Droht uns nicht gerade deshalb der Einsturz unserer als sicher geglaubten Konstruktionen? Die Künstlerin Christine Schulz macht uns diese unsichtbare Struktur in ihren Installationen spielerisch sichtbar, indem sie sie gleichzeitig relativiert. Sie kombiniert und versammelt Universalien, Objekte, Abbilder und scheinbare Kleinigkeiten, zu einem lebend agierenden Raum. Originale und Repräsentanten unserer Welt agieren miteinander über das Licht, die Position, über Reflexion und Spiegelung. Sie bringt ein Flugzeug in Bewegung, holt unsere Sonne, den uns erhaltenden Stern in den Ausstellungsraum und setzt diesen mit der Projektion von leeren Colaflaschen, einem Flittervorhang vor Stahlrohren und weiteren Objekten in Beziehung. Einerseits ist es möglich, in diese erzählerische Landschaft und ihre wechselnden Perspektiven einzusteigen, darin gedanklich zu wandern. Andererseits können wir in dieser Schwebe der Gegensätzlichkeiten, also auch dem Changieren unserer Wahrnehmung zwischen Poetik und neutralem Blick, den Konstruktionsplan durchscheinen sehen. So sehen wir gleichzeitig die uns dargebotene Welt als auch ihre, sie herstellenden Gedanken. In der Konstruktion von Realität entdecken wir hier einen Kreislauf, ein komplexes Beziehungsgeflecht, welches gleichsam poetisch wie intellektuell erhellend wirken kann.


Piece Shop

8.12. – 31.12.2023, häufig & nach Vereinbarung geöffnet

Der Piece Shop und das saisonale, wechselnde Schaufenster dazu.

Auf den ersten Blick bietet das Schaufenster des Piece Shops ein romantisches winterliches Klischee. Der Kunstschnee ist allerdings aus geschredderten Kontoauszügen der Galerie hergestellt und die präsentierten Werke und Angebote verweisen auf hintergründige Weise, indem ihren Bildwelten seltsame Verschiebungen besitzen, das hier irgendetwas nicht stimmt oder so ist, wie es scheint. Eine Ausstellung die erst auf den zweiten Blick wirkt. Für die sich verändernde Installation sind von Lydia Karstadt und Gabriele Regiert zwei neue Siebdruckeditionen kreiert worden.

Im Piece Shop zeigen wir Arbeiten von: Henrik Jacob, Miriam Jadischke, Vikenti Komitski, Andreas Kotulla, Sigrun Paulsen, Gabriele Regiert, Silky, Caren Sielaff, Veronika Schumacher und weiteren Künstler:innen

Alles begann mit der ersten „Prêt á Manger“ Edition, die Gabriele Regiert 2017 speziell für die Crystal Ball entworfen hat. Noch heute ein absoluter Verkaufsschlager. Mittlerweile muss das speziell dazu benötige Knäckebrot im Ausland bestellt werden. Auch circa 80 kleine Perlen werden dann in die Niederungen der Brotscheibe hineingearbeitet. Auf der Rückseite mit Nagellack der Künstlerin signiert, erfolgt die Rahmung im Ausstellungsraum. Die letzten Exemplare der seriellen Unikate kosten deshalb mittlerweile 140,- zuzüglich Versand.
Nun haben Lydia Karstadt & Gabriele Regiert aber eine brandneue Serie begonnen: Es wird das offizielle Prêt á Manger T Shirt geben ! ( Preis: 90,- €) Nach einigen Verfeinerungen in der Herstellungstechnik, denn wir nähern uns mit dem Aufnähen der Perlen nun wirklich dem Prê á porter, gehen wir ab heute in Produktion. 🙂 Vorbestellungen möglich!

Mit der neuen Pret â Mànger Edition bietet Lydia Karstadt auch das neue exzeptionelle I Shirt. Neben dem I Phone und I Pad ein unverzichtbares, elektronikfreies Assescoire. Das Portrait eines ihrer Augen wird im Herstellungsprozess auf ihr T-Shirt übertragen. Bringen Sie Ihr Shirt und wandeln es in ein I Shirt für nur 30,- € Die Erlöse beider Editionen kommen den Künstler:innen und ihrer Ausstellungstätigkeit zugute deren Zukunft bis dato wirtschaftlich ungewiss ist.
Der Shop ist am Fr. 8. und Sa. 9. Dez. von 11 bis 20 Uhr und danach weiter nach Vereinbarung geöffnet.

Zugvögel-Ensemble lädt ein zu: ˈpælɪmpsest

Performance – freie Improvisation
Freitag, 24.011.2023
ˈpælɪmpsest I: 19.00 Uhr
ˈpælɪmpsest II: 20 Uhr

Mit ˈpælɪmpsest erzeugt das Zugvögel-Ensemble nach „Analogschatten“ und „Träumen mit Bäumen“ eine weitere Welt aus den Schwingungen ihrer performativen Intuition. Seien Sie zu dieser Aufführung herzlich willkommen.

Am 24. November gastieren die Zugvögel mit ihrer neuen diskursiven Performance „ˈpælɪmpsest“ in der Crystal Ball. Mit dabei sind abgelegte Pelze, deren immanente Einschreibungen unvermeidbar ihre eigenen Lesarten in das Spiel der Zugvögel einbringen werden.

Am Freitag 24.11.23 finden zwei freie Improvisationen statt, die sich aus dem Moment heraus entwickeln werden.
Anschließend freuen sich die Spieler:innen über ein Gespräch mit dem Publikum. Einlass ist eine halbe Stunde vor Beginn um 18:30 Uhr.

Zentrale Verwaltung – Nobert Bauer & Ralf Tekaat

Vernissage am Sa. 23 September um 19 Uhr

Achtung Terminänderung! Zentrale Verwaltung – performative Lesung am Fr. 13 Okt., um 19 Uhr

bis Sa. 11. November 2023

Zentrale Verwaltung – Norbert Bauer / Ralf Tekaat, Ausstellungsdetails, Herbstausstellung Kunstverein Hannover 2022

Verwaltungen entwerfen eine idealisierte, formalisierte Version von anderen Bereichen des
gesellschaftlichen Lebens. Sie drücken die dortigen Vorgänge in Zahlen, Verhältnissen,
Verfahren oder Vorschriften aus und wirken gleichzeitig auf diese zurück. Verwaltung und
Realität erzeugen sich gegenseitig, sind jedoch nicht deckungsgleich.
Die Arbeit Zentrale Verwaltung der Künstler Norbert Bauer und Ralf Tekaat beschäftigt sich mit Einrichtungen und Ausdrucksformen einer „verwalteten Welt“: Behörden, Formulare, Dokumente, Dienstanweisungen, Organigramme, Verwaltungsgebäude usw. sind als konstitutive Elemente des gesellschaftlichen Lebens ebenso vertraut wie unverständlich. Diesem ambivalenten Verhältnis versuchen die Künstler in ihrer Zusammenarbeit mit den Mitteln der Zeichnung Ausdruck zu verleihen. Ziel der Serie ist es nicht Klarheit zu erzeugen, sondern sich in Gängen, Dienstzimmern, Nebengebäuden, Vorschriften, Optimierungsstrategien und Zuständigkeiten zu verlieren.
Bisher besteht die Serie Zentrale Verwaltung aus 270 Zeichnungen im Format A4. Die Zentrale Verwaltung wächst weiter und war bisher in Ausstellungen in Hamburg im Nachtspeicher, in Bremen im Güterbahnhof in den Kunstvereinen Speyer, Hannover und Fischerhude zu sehen.

Wir freuen uns darüber, denn in diesem Sommer ist die Zentrale Verwaltung von Bauer/Tekaat mit dem Preis der Heitland Foundation ausgezeichnet worden. Die vielteilige Arbeit reflektiert und evoziert neben ihrer freien virtuosen Darstellungswucht auch, die mit bürokratischen und verwalterischen Prozessen verbundenen Befindlichkeiten. In den Blätterreihen lauern Emotionen, ja, die Zentrale Verwaltung bündelt mit ihrer konzeptuellen, kooperativen Strategie ganz treffend, soziale wie persönliche Situationen des Betrachters. Mit nur einer, oder auch mehrerer Di A 4 Zeichnungen lässt sich das ganze Drama eines stressigen Steuerabschlusses, die Verzweiflung angesichts eines nerventötenden tintefressenden Druckers oder anderen ungleich existenziell belastenden Geschichten erzählen. Gleichzeitig aber, da sie mutig und frei assoziirt, entlastet uns die Zentrale Verwaltung und wir können wieder lächeln, unterscheiden, und leicht werden, denn wirklich existenziell, ist Verwaltung für unser bloßes Dasein nicht.

/Performance Sommer/ Veronika Dobers: Gesang des Großen Enttäuschten und The Story of Blue, Red and Yellow – Sigrun Paulsen & Manfred Kirschner

Vernissage mit Performance am Freitag, 1. September, 19 Uhr

bis So., 15. Sept. 2023,
Di. & Fr.: 14- 19 Uhr,
und gerne nach Vereinbarung

Mit ihrer Performance “Gesang des Großen Enttäuschten“ thematisiert Veronika Dobers auf satirische Weise die Stellung des Menschen als vermeintlich höchstentwickelte Lebewesen. Der Schöpfer der Welt zweifelt aber an seinem Werk, das in der Erschaffung des Menschen gipfeln sollte. (V.D.)

Die befreundeten Künstlerinnen Sigrun Paulsen und Manfred Kirschner alias Lydia Karstadt setzen ihre recht gegensätzlichen künstlerischen Positionen in einer Ausstellung performativ gegen- und miteinander und untersuchen die Wirkungen wie in einer Kollision. Interessant das gerade mit dieser Strategie Ähnlichkeiten und Verwandschaften in übwergeorneten Bereichen sichtbar werden die wohl sonst unsichtbar geblieben und vielleicht auch nicht hervorgetreten wären. Sigrun Paulsens Werk hat sich der puren Farbe und deren Effekte verschrieben, es geht ihr um eine Klarheit und Musikalität auch in der Rezeption. In mittel und großformatigen Arbeiten auf Leinwand untersucht Paulsen in gekonnter Form, die kombinatorischen Effekte ihrer selbst gemischten Farben und Gegenfarben, kalten und warmen Farbtönen, die sie in bewußten Prozessen zueinander bringt. Diese Farbkombinationen bringen dabei ihre Bilder in Schwingungen, die Farben scheinen zu vibrieren. Paulsens Bilder sind frei, frei von eingeschriebener Bedeutung, nichts ist versteckt oder suggeriert. Sie haben etwas Pures und sind wie eine Speise für die Sinne, die man annehmen oder verweigern kann.
Manfred Kirschner erforscht in seinen kleineren Collagen auf Leinwand, irritierende Strategien von scheinbar harmonischen Sujet Kombinationen. Er setzt seine Protagonisten, zumeist Schaufensterpuppen, die sicherlich uns Menschen repräsentieren, in melancholisch anmutende Landschaften oder historische Fotos, wie in Filmsets und Bühnenbildern aus. Die Collage kennt per se die Kombination von Gegensätzen als stilistisches Prinzip. Kirschners Kunst arbeitet aber auch mit der Harmonisierung der Bildteile, wie der Einhaltung von Farbräumlichkeit oder einer bewußten Farbkombinatorik. Sehr häufig heben sich bei Kirschner, wie z.B. in der titelgebenden Serie „The Story Of Blue, Red And Yellow“ die Figuren in einer bestimmten Farbigkeit von ihrem Hintergrund ab, so als würden sie sich in ihrer neuen Bildwelt selbst anzeigen und auch noch sagen: „Schau! ich bin hier hinein geklebt worden!“ So werfen gerade diese humorvoll bis dramatischen Kombinationen ungewohnte Fragen auf oder erweitern ironisch die traditionellen Blickrichtungen. Kirschners Bilder scheinen ihre Leichtigkeit da heraus zu ziehen, dass sie an an ihren Brüchen und Verwerfungen ihre eigenen Aussagen treffen, sich behaupten, so als würden sie über diesen rezeptionellen Prozessen stehen. Sieht man also Paulsens und Kirschners Positionen nebeneinander, so geht es, behaupte ich, in beiden um eine Wesenhaftigkeit, die über eine Harmonisierung von Gegensätzlichkeiten und polaren Wirkungen evoziert wird und daraus eine Philosophie der Freiheit mit Kunst gewinnt- Renate Kemper, Berlin 2023

Renate Kemper, 2023

/Performance Sommer/ Unboxing – Evita Emersleben & Manfred Kirschner

Am Sa. 5 August um 19 Uhr

Unboxing, Performance, Evita Emersleben und Manfred Kirschner, Künstlerhaus Bremen, September 2022

Der Boxkampf ist die sportliche Variation des klassischen Faustkampfes. Boxen ist weltweit beliebt und hebt eine aggressive, zerstörerische und gewaltvolle Aktion auf die Ebene eines Spiels und Wettbewerbs. Den pazifistisch orientierten Künstler:innen Evita Emersleben und Manfred Kirschner erscheint das Boxen als Sinnbild eines Lebensstils, der sich auf Konkurrenz, Eigeninteresse und soziale Gleichgültigkeit gründet. Sie empfinden den Kampf als antisozial und veraltet, ähnlich dem Impetus des Stierkampfes. Nun, beide Künstlerinnen möchten dem Boxkampf in ihrer Performance „Unboxing“ nicht vollkommen die Berechtigung entziehen, sondern den Kampf vielmehr persönlich miteinander in einer experimenteller Weise untersuchen, ihre Kritik ästhetisch darstellen und den Kampf transzendieren. So zeigt Unboxing auch in Form einer Gesellschaftsparodie aktuelle soziale Tendenzen der Verschiebung des Trivialen in die sichtbare Allgegenwärtigkeit. Den beiden künstlerischen Positionen Emersleben und Kirschner ist die teils offene konzeptuelle Form eigen, die eben auch immer mit der Rezeption der Aktion auf die Zuschauer:innen spielt. Unboxing wurde zuerst in Bremen in 2022 gezeigt und wird in diesem Jahr in der Crystal Ball am 5.8. und in der Villa Sponte in Bremen am 26.8. wieder zur Aufführung gebracht.

/Performance Sommer/ Zugvögel: Träumen mit Bäumen

Fr. 14. Juli, Performance jeweils um 20 und um 21 Uhr
Galerie Crystal Ball
Schönleinstr. 7
10967 Berlin

Eintritt frei!

Träumen mit Bäumen, Conceptual Co-Creation, drei Zugvögel im Wald, Foto: Christina Olschewski

Die Tür steht auf, und wer fliegt herein? Die Zugvögel. Nachdem das Performance Ensemble um Zoë Tomruk in diesem Sommer seinen Betriebsausflug in Kolberg, Brandenburg im historischen Zentralinstitut für Funktechnik (ZIF) mit zahlreichen bewusstseinserweiternden Rehearsals im Wald verbracht hat, zeigen sie uns ihre neueste Produktion; die Ergebnisse des gleichnamigen viertägigen Workshops, (der übrigens gleichzeitig von allen Ensemblemitgliedern geleitet wurde): Träumen mit Bäumen und eine der aktuellen Ausstellung gewidmete Performance: Der Atlas des Uranus.

Wir freuen uns auf ein Wiedersehen!

Birch Hayes – Uranian Atlas

Vernissage am Fr. 28. April um 19 Uhr

28.4. Midissage am 16. Juni, um 19 Uhr, Di. und Fr. jeweils von 14 – 19 Uhr

Extendet until Fri. July, 14th, with arbitrary opening hours & by appointment

Performance of Zugvögel, July 14th. At 8 and 9 pm: Dreaming with Trees & The Uranian Atlas

Birch Hayes nennt seine erste Ausstellung in Berlin, in der Galerie Crystal Ball den Atlas des Uranus. In gewisser Weise ist das für die präsentierten Arbeiten des amerikanischen Künstlers eine äußerst treffende Beschreibung. Hayes aufwändig, detailliert gestaltete Zeichnungen wirken teils wie Kartografien einer unbekannten Welt oder gar wie Oberflächen eines fernen Planeten. Dies mag an der zwar homogenen, aber fremdartigen organischen Präsenz der dargestellten Strukturen und ihrer besonderen Weite der Perspektive liegen. Die Zeichnungen evozieren dabei eine nahezu authentische Präsenz, wie man sie aus wissenschaftlichen Abbildungen, biologischen Diagrammen und Zeichnungen nach der Natur kennt. Bestimmte Strukturen wirken wie angeschnitten, an diesen Stellen wird ihr Aufbau ersichtlich und erklärbar. Alle entdeckten Formen und Dinge zeigen sich. Hayes benutzt diese Attribute meisterhaft, er schafft damit eine reale Ebene, präsentiert uns jedoch keinen gewohnten, sondern einen außergewöhnlichen Einblick in eine geheimnisvolle, phantastische Welt, die seltsam wirklich erscheint. Körperliche Strukturen liegen, kleben, wachsen mit anderen Stoffen in- und auseinander. Die Dinge schweben, schwirren, sind miteinander verknüpft und die Motive entwerfen eine spezifische verträumte Vielfalt. Birch Hayes Zeichnungen haben auf diese Weise Ähnlichkeit in der Strategie mit der Science Fiction, da diese sich auch immer wieder in der Schilderung der Beschreibung der Zusammenhänge und Einzelheiten ergeht, um Realität zu behaupten. Der Künstler Birch Hayes hat aber gar keinen Plan oder ein Sendungsbewusstsein in diese Richtung. Er nennt die Ausstellung seiner schwarzweiß und farbig ausgeführten Arbeiten Uranian Atlas, weil sie ihm eben selbst so erscheinen. Hayes zeichnet, um in einen träumerischen Zustand der Meditation zu geraten. Er hat keine spezifischen Vorstellungen von Beginn an, sondern entdeckt in einer automatischen, unbewussten Formulierung auch eine Form neben der anderen und schreibt sie im Bild fest. Aber dieser eigenwilligen und besonderen Position von Hayes Arbeiten ist es zu verdanken, dass sich die Welten und Landschaften leichtfüßig erkunden lassen, als hätten wir nun im Wachen Zugang zu einer Welt des Unbewussten erlangt. Lydia Karstadt

/Performance Sommer/ Ich Ich Ich : Ich bin Ich !

Wir laden Sie ein als Star auf unserer Vernissage im Kunstpunkt zu erscheinen!

die Galerie Crystal Ball zu Gast im Kunstpunkt Berlin, Schlegelstraße 6

Eröffnung mit Happening und Performance am 14ten April ab 19 Uhr

Ich bin Ich, ca. 12 min, Filmstill, mit „Pas de Costumes„, Berlin 2023 – Ausstellungs- und Performanceprojekt, Video, Installation, 2019-2023

Am Freitag, 14. April 2023 um 19 Uhr eröffnet die Ausstellung ICH ICH ICH im KUNSTPUNKT BERLIN,
Schlegelstr. 6, 10115 Berlin-Mitte.

Zusammen mit einem weiteren Künstlerkollektiv (Stay Hungry) ist Pas de Costumes im April und auch während des Gallery Weekends im Kunstpunkt Berlin eingeladen, die toxischen Wirkungen des egomanischen Künstler-Kult zu untersuchen. Im Frühjahr 2019 haben Natascha Frioud und Manfred Kirschner mit dem Projekt von „Ich bin Ich“ begonnen. Seitdem hat sich in Pas de Costumes eine lockere Gruppe von Künstlerinnen um den Ausstellungsraum Crystal Ball formiert. In der aktuellen Präsentation sind Arbeiten von Caren Sielaff, Miriam Jadischke, Berit Schneider, Stefan Ruf, Zoe Tomruck, Lydia Karstadt, Natascha Frioud, Gabi Garland und Frank Schoppmeier zu sehen.
„Ich bin Ich“ umfasst eine Werkgruppe, um die fiktive Künstler-Persönlichkeit Arielle Schuberti. Eine Ausstellungseröffnung, eine Reihe von Kunstwerken, dazugehörige Performances und ein dokumentarisches Video erzeugen die Person Arielle. Eine stark selbstbezogene Person, die davon überzeugt ist, eine sehr wichtige Künstlerin zu sein. Das Video springt zwischen Fiktion, der Vernissage mit Spielszenen und der Realität, die die Künstler bei der Arbeit am Projekt zeigen. Der Komplex von „Ich bin Ich“ zielt auf die Problematisierung des Klischees, des narzisstischen Künstlers, in Form einer Überindividualisierung, die in ihrer Übersteigerung toxisch auf die Gesellschaft wirken kann.
Pas de Costumes arbeitet seit 2019 an dem Konzept. Dabei ist im Ausstellungsraum Crystal Ball in Kreuzberg eine „One Day Exhibition“ mit Arbeiten der Künstlerin Arielle Schuberti realisiert worden. Diese Eröffnung der Ausstellung von Arielle wurde mit Plakaten, Internetpräsenz und E-Mail-Einladungen beworben. Crystal Ball hatte, wie gewohnt, zu einer ihrer Vernissagen eingeladen. Unwissende Besucher*innen sahen sich dann mit einer Fake-Präsentation und einem stark performativen Abend konfrontiert. Auf der Ausstellungseröffnung kollidierte Fiktion und Realität, Arielle spielte auf der Klaviatur ihrer Selbstverliebtheit und Egozentrik. Nach einigen fragwürdigen Performances der Künstlerin, war die Situation kaum noch haltbar. Arielle zerstörte eines ihrer Werke, als ein Käufer daran Interesse zeigte. Es kam zum Eklat mit dem Galeristen und kulminierte darin, dass die Künstlerin ihre Werke vor den Augen des Publikums zerstörte.
In der Ausstellung ICH ICH ICH im Kunstpunkt zeigt Pas de Costumes zum ersten Mal den Film „Ich bin Ich“, als offizielles Dokument des Projektes. Die Uraufführung wird mit einer Installation von neuen Kunstwerken der Künstlerin Arielle Schuberti sowie mit Arbeiten ihrer Freundinnen ergänzt. Mit einem einleitenden Happening wird die Ausstellung der Performancegruppe begleitet. Aus diesem Anlass würden wir uns sehr freuen, wenn Sie selbst als Star auf der Eröffnung erscheinen und wir das Künstler-Ego somit multiplizieren.

Wir bitten Sie, selbst als Star auf unserer Vernissage im Kunstpunkt zu erscheinen!

Ausstellungsdaten:
Vernissage: 14.04.2023, ab 19 Uhr
Ausstellungsdauer: 15.04. – 01.05.2023
Öffnungszeiten: Fr 17–21 Uhr, Sa + So 15–19 Uhr
Finissage & GET-TOGETHER NETZWERK: 01.05.2023, ab 15 Uhr

Crystal Ball Berlin